Es ist mehr als TikTok und Heidi Reichinnek. Aber eben auch. Mit dem Comeback der Linken hatten nur noch wenige gerechnet. Doch dann kamen eine neue Parteiführung, der Wahlkampf an hunderttausenden von Haustüren und Friedrich Merz. Ohne den und sein Niederreißen der “Brandmauer” wäre die Linke vermutlich nicht mehr in den Bundestag gekommen, so sagt der Autor und Dramaturg Bernd Stegemann. Die Empörung trug die Partei in Fraktionsstärke dann aber wieder in die Politik zurück. Und vor allem die Rede von Heidi Reichinnek, die dazu aufrief, gemeinsam auf die Barrikaden zu steigen im Kampf gegen rechts. Dreißig Millionen mal wurde die Rede geklickt. Gregor Gysi hatte eigentlich schon ans Aufhören gedacht, wollte dann aber doch zur Rettung der Linken seinen Teil dazu geben. “Wir waren eine Partei der tausend Kleinigkeiten”, so sagt er und auch und dass die Wähler vor lauter Streit in der Partei ja gar nicht mehr gewusst hätten, wo da Zeit für sie geblieben wäre. Und so machte Gysi mit den anderen beiden “Silberlocken” Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch TikTok-Wahlkampf, sogar einen eigenen Technosong gab es. In Berlin-Neukölln wurde sogar erstmals ein Direktmandat im Westteil der Stadt errungen. Mit zweitausend Unterstützern zog der Kandidat durch den Bezirk und überzeugte schließlich 30 Prozent der Wähler. Auch als Bundestagsabgeordneter will er seine wöchentliche “Sozialsprechstunde” weiter betreiben und beim Ausfüllen von Behördenformularen oder Mietverträgen helfen. Sein Bundestagsgehalt hat er auf 2.500 Euro gedeckelt hat und zahlt den Rest in einen Sozialfonds ein. Dem neuen Parteichef Jan van Aken sieht man die Strapazen der letzten Wochen an. In der verwaisten Wahlkampfzentrale liegen noch die Sektflaschen der Feier und viele Flyer. Zwei Wochen sind erst vergangen seit der Wahl, doch es ist so viel passiert seitdem – die Wahl in Hamburg, die geplante Grundgesetzänderung. Unser Film zum Comeback der Linken lief am Montag, den 10. März inder KULTURZEIT auf 3Sat.