Ist der Pazifismus am Ende? Zeigt uns der Ukrainekrieg, dass es Bomben, Panzer und Kampfflugzeuge braucht, um einen Krieg zu beginnen, aber auch um ihn zu beenden? Nein, sagt der bekannte Pazifist und Rüstungsgegner Jürgen Grässlin. Gerade jetzt käme es darauf an, für Friedensverhandlungen einzutreten und zivile Widerstandsformen zu nutzen. Dass nicht alle Ukrainer freiwillig in den Verteidigungskrieg ziehen, das weiß Rudi Friedrich. Er kennt einige jener Männer, die den Kriegsdienst verweigerten, dafür verhaftet wurden und im Gefängnis landeten. Denn die Ukraine achtet das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung nicht. Warum fordern dies aber nicht deutsche und europäische Politiker, die auf der anderen Seite die Ukraine militärisch unterstützen? Ralf Fücks, langjähriger Leiter der grünen Heinrich Böll Stiftung und nun Chef des Think Tanks Zentrum Liberale Moderne, plädiert hingegen für Waffen. Noch immer sei Deutschland zu zögerlich, was die Lieferung von Panzern und anderem Kriegsgerät angeht. Dieser Krieg müsse gewonnen werden und dafür müsse man Opfer bringen. Auch hier in Deutschland. Hier verändere sich das Verhältnis zum Militär, die postheroische Gesellschaft werde sich bewusst, dass sie wieder andere Werte brauche. Der Philosoph Olaf Müller bedauert, dass auch er als Pazifist sich schuldig mache, wenn er sagt, dass man die Ukraine militärisch im Stich lassen muss. Aber genauso würden sich jene schuldig machen, die mit Waffenlieferungen für einen Fortgang des Tötens und Sterbens sorgten. Die Situation scheint ausweglos. Währenddessen forderten die Ostermarschierer sofortige Friedensverhandlungen und den Stop der Waffenlieferungen, während ukrainische Aktivisten zeitgleich eine neue Friedensbewegung vor dem Brandenburger Tor ausriefen. Nur sie stelle sich den Realitäten – nämlich dem Freiheitskampf der Ukraine mit beinahe allen Mitteln. Unser Film zur Debatte lief in der KULTURZEIT am 11. April 2023 um 19.20 Uhr auf 3SAT.