Für die KULTURZEIT haben wir die ehemaligen Konzentrationslager in Buchenwald und Flossenbürg besucht. Und wir waren bei Philip Schlaffer, einem ehemaligen Neonazi, der jetzt als Sozialarbeiter gegen Extremismus kämpft. Nach Buchenwald kommen jährlich um die 500.000 Besucher. Sie werden durch das ehemalige Lager geführt, können sich in auch mehrtägigen Projekten mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Entstehung von Antisemitismus auseinander setzen. Normalerweise – die Pandemie macht das unmöglich. Stattdessen kommen die Rodler und fahren derzeit mit ihren Schlitten sogar über Massengräber. Fehlendes Geschichtsbewusstsein, mangelnde Empathie sind ein großes Problem, so sagt Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte. Auch bemerke er in den letzten Jahren, dass scheinbar normale Besucher an den Fakten der Geschichte zweifelten oder sie mit anderen Geschichtsverbrechen gleichsetzten. In der Gedenkstätte Flossenbürg hat Corona ein neues Projekt vorerst gestoppt. Dort setzen sich – viele zum ersten Mal – junge Flüchtlinge mit der Geschichte des Holocaust auseinander, sprechen über Judenhass, den sie oft von Kind an in der Heimat kennen gelernt haben. Später sollen sie zu Botschaftern gegen Antisemitismus werden. Philip Schlaffer weiß, was Hass ist. Zwanzig Jahre war er einer der führenden Neonazi, später im Gefängnis. Nun geht er in Schulen und betreibt einen Youtubekanal, auf den er Extremisten als Zuschauer ziehen will. Um ihnen zu zeigen, dass es einen anderen Weg gibt. Unser Film lief am Mittwoch, den 27.01.2022, in der Kulturzeit auf 3SAT.